Förderverein attraktive Region Stetten am kalten Markt e.V.
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Mitten im Dorf -2011

oder
der Krämer als Eigenbrötler


Ein Stück von Franz Xaver Ott

Ein Kaufhaus auf dem Land, zwischen Kirche und Gasthof. Ein reiches Angebot wie für die Stadt, eine Einrichtung wie von anno dazumal. Und Warenstapel bis unter die Decke. Lebenslänglich gesammelt.

Der Krämer, ein Junggeselle wie er im Buche steht, wirft nichts weg. Bewahrt alles auf: "s"könnt jo no ebber braucha". Geschäftlich gedacht: "ma könnt"s jo no verkaufa".
Die Leute des Dorfes tragen ihre Einkäufe heraus und ihre Geschichten hinein. Bei diesem Eigenbrötler braucht sich niemand zu verstecken jeder kann sein, wie er ist. Onkel Franz hört zu und denkt sich sei Sach.
Bis er eines schönen Tages das Haus mit den Füßen voraus verlässt.
Wo tragen wir nun unsere Geschichten hin?
Onkel Franz war eben mehr als eine Tante Emma.

Das Kaufhaus Pfeiffer erzählt viele Geschichten von 1852 bis 2007.

Eine wissenschaftliche Bauaufnahme, eine detaillierte Schadensanalyse der Gebäudesubstanz, intensive Archivrecherchen und umfangreiche Befragungen von "Zeitzeugen" haben interessante Details zur Geschichte des "Kaufhauses Pfeiffer" ergeben.1852 lässt der Hauptlehrer Johann Nepomuk Drißner das Haus mit Scheuer und Stall auf einem Teil des ehemaligen Pfarrgartens erbauen, nachdem er diesen Platz erworben hat. Er war ein angesehener Mann, war Ratschreiber, und 1850 wurde ihm sogar der Posten des Bürgermeisters von Stetten a. k. M. angeboten, was er wohl aber ablehnte. Sein Sohn Joseph Anton Drißner heiratet im Jahr 1855 Agatha Sprißler, Tochter des Großbauern Stephan Sprißler.
Er erhält das Haus und zieht mit seiner Frau ein. Im Jahr 1858 stirbt Joseph Drißner. Sein Frau erhält das Haus. Agatha Sprißler bekommt 1860 ein uneheliches Kind, Jakob, von dem Unterlehrer Cosmas Mayer aus Liptingen.Im Jahr 1861 heiratet Agatha Sprißler den Kaufmann Balthasar Löhle aus Ringgenbach und bringt das Wohnhaus mit Scheuer und Stall in die Ehe ein. Er nimmt den unehelichen Sohn an kindestatt an. Balthasar Löhle wandert 1863 nach Amerika aus und lässt seine Frau und den Sohn Jakob zurück. Balthasar Löhle stirbt am 8. August 1870 in Newark/USA1872 heirate Agatha zum dritten Mal, nun den Kaufmann Peter Friedrich Pfeiffer aus Stockach (den Großvater von Franz Pfeiffer, dem letzten Landbetreiber). Aus dieser Ehe geht u. a. Sohn Friedrich hervor (geb. 1880, gest. 1933) Dieser wiederum heiratet im Jahr 1910 Maria Moritz (geb. 1881, gest. 1950), die Tochter des Landwirts Franz Moritz. Sie bringt ihren Sohn Karl in die Ehe mit ein. Aus der Ehe gehen dann noch zwei Kinder hervor, Franz (Stephan) und Amalie. Nachdem es um die Jahrhundertwende verschiedene kleiner An- und Umbauten gab, erfolgt im Jahr 1925 der große Umbau des Gebäudes: Scheuer und Stall werden umgebaut zum "Kaufladen". Im rückwärtigen Teil wird ein breites Treppenhaus angebaut. Im Oberschoss werden weitere "Geschäfts- und Wohnräume eingerichtet, u. a. eine größerer Raum mit einer Kleidungs- und Konfektionsabteilung.1952 übernimmt Franz Pfeiffer offiziell das Kaufhaus. Er hat bereits in den 1920er Jahren eine Kaufmannslehre absolviert. Er betreibt das Kaufhaus alleinstehend bis zu seinem Tod im Jahr 1995. Das Kaufhaus bleibt praktisch unverändert seit 1925/28.Es ist noch längst nicht alles erforscht. Das Projekt wird uns noch jahrelang beschäftigen. Wir forschen weiter...
Wir bedanken uns bei Herr Walter Knittel (Museumsleiter) für die Freigabe der Daten
Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck